Playbackroom im Lenbachhaus

In dieser Spielzeit gab es ein ganz besonderes Museumsprojekt: Kunstwerke des Lenbachhauses sollten mit der Musik der Jugendlichen in Zusammenhang gesetzt werden. Die insgesamt 14 Teilnehmenden aus der LOK.Arrival und dem pfiffTEEN hatten die Aufgabe, zu einem Werk einen für sie passenden Song zu finden. Im Playback Room wurde dann die Playlist, die die Jugendlichen auf diese Weise erstellt haben, angehört.

Wolfgang Tillmans konzipierte den »Playback Room«, da er eine Möglichkeit schaffen wollte, Musik in Studioqualität anzuhören. Live-Musik ist in Konzerten erlebbar, Opern kann man im Opernhaus erleben. Nur die Studiomusik kann man in der Regel nicht in der Qualität genießen, in der sie aufgenommen wurde. Das High-End-HiFi-Soundsystem im Playbackroom ermöglicht es, Musik in ihrer originalen Aufnahmequalität zu hören. Während der Dauer der Ausstellungen liefen zwei Playlists ab, die Tillmans extra hierfür erstellte. Für dieses Projekt aber durften die Jugendlichen ihre eigene Musik mitbringen und dort abspielen.

Gemeinsam haben wir uns verschiedene, vorab ausgewählte Werke des Museums angesehen. Die Kunstvermittlerin des Lenbachhauses führte durch das Museum und gab auch Anregungen und Hilfestellungen dabei, was beim Betrachten eines Werkes beachtet werden soll: Die Jugendlichen sollten überlegen, ob sie dieses Bild persönlich anspricht und wenn ja, warum. Im ersten Durchgang wurden die Bilder stillschweigend betrachtet. Die Jugendlichen durften Fotos machen, sollten sich aber zunächst nicht darüber unterhalten. Im Anschluss legte jeder das Werk fest, mit dem er sich intensiver beschäftigen wollte. Vor dem ausgewählten Bild stehend, konnten sich die Jugendlichen dann damit befassen, welchen Song sie für dieses Bild auswählen würden.

Schnell zeigten sich die unterschiedlichen Vorkenntnisse der Jugendlichen im Umgang mit Kunst und die inhaltliche Vorbereitung auf die Auswahl an Gemälden. LOK Arrival ist eine Freizeitstätte für geflüchtete Kinder und Jugendliche. Die fünf Jugendlichen aus Afghanistan hatten vorher noch nie ein Museum besucht. Ob ein Kunstwerk gefiel oder nicht, wurde sehr intuitiv durch die Auswahl der Farben und den Grad der Abstraktheit festgelegt. Die Jugendlichen des pfiffTEEN hatten sich zum Teil sehr gut vorbereitet und argumentierten auch mit den Inhalten, die ein Bild dem Künstler nach vermitteln soll.

Die Abstraktheit mancher Werke löste bei den Jugendlichen hohen Diskussionsbedarf aus. Es ging zum Großteil um die Fragen: Was macht ein Bild zu einem Kunstwerk, wer entscheidet dies und was ist das Besondere an einem Gemälde, auf dem keine klar erkennbaren Formen zu erkennen sind? Ausschließlich die Ausstellungsstücke von Annette Kelm zum Thema Frauenrechte waren so klar und unmissverständlich dargestellt, dass die Jugendlichen sich sofort mit der Ernsthaftigkeit und Relevanz des Themas identifizieren konnten.

Nachdem die Gruppe in einem kleinen Workshop die Wahl der Kunstwerke in Verbindung mit passenden Songs erläutern konnte, wurde festgelegt, in welcher Reihenfolge die Musikstücke im Playback Room abgespielt werden sollten. Der Raum selbst ist – ähnlich einem Kinosaal – stufenförmig angelegt und mit großen Sitz- und Liegekissen drapiert. Die Jugendlichen konnten es sich bequem machen und sich ganz auf die Musik konzentrieren.

Die Aufteilung des Raumes und das abgedunkelte Licht ließ viel Freiraum für Privatsphäre und schnell bemerkte, wie die Jugendlichen sich in ihrem Freundeskreis ganz natürlich verhielten, ohne Angst, beobachtet zu werden. Das äußerte sich zum Beispiel durch Mittanzen oder Singen zu schneller Musik oder ruhiges Beieinander liegen und gedämpfte Unterhaltungen bei ruhigeren Liedern.

Die Mitarbeiterinnen des Lenbachhauses interessierten sich sehr dafür, was die ausgewählten Musikstücke für die Jugendlichen bedeuten und wie sie zu den Kunstwerken passen. Hier reichten die Begründungen zur Auswahl der Lieder von „Lieblingslied“ zu detaillierten Vorbereitungen für die Kombination mit einem bestimmten Gemälde, wobei sich die Gruppe der beiden Freizeiteinrichtungen jedoch sehr ausgeglichen vermischte.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die erste Kooperation des KJR mit dem Lenbachhaus für die Jugendlichen ganz neue Einblicke brachte: Kulturelle Bildung im Sinne der Horizonterweiterung!

 

Mira Walter, LOK.Arrival und Veronika Specht, Team Großveranstaltungen und Jugendkultur

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